Die Geschichte der Telefonerotik ist wie alles aus diesem Metier immer auch mit schlüpfrigen Geschichten und kleinen wie größeren Skandalen und Skandälchen verknüpft. Angefangen mit dem Mädchen vom Amt, das früher bei allen Gesprächen die Verbindung zum Wunschanschluss herstellen musste und so von Affären und Liebschaften immer als erste erfuhr – oder selber angeflirtet wurde und den Sex am Telefon während der Nachtschichten als lukratives Nebengeschäft entdeckte. Sicher war es genau dies Mädchen vom Amt, welches das erste Geld mit dem Sex am Telefon verdiente – ob als Schweigegeld zur Affäre oder als Belohnung für sexuelle Dienstleitung gezahlt, sei dahingestellt.
Eine erste Hochphase erlebte kommerzielle Telefonerotik in Deutschland in den 90er Jahren, als die ersten Privatfernsehsender ein deutlich erotisch geprägtes Programm ausstrahlten und die Werbung für Sex am Telefon passend und günstig in den häufigen Pausen gezeigt werden konnte. War Telefonerotik bis dahin immer eher privat motiviert, gewann sie aufgrund der nun möglichen Anonymität und auch aufgrund der Sicherheit des nicht ausgelebten körperlichen Kontakts schnell an Beliebtheit für Sex unter Unbekannten, und viele weitere Anbieter sprangen auf den Trend auf und gründeten eigene Agenturen.
Telefonerotik kann man heute ganz gezielt nach eigenen Wünschen erleben, schon die Telefonnummer selber ist oft ein Hinweis auf das zu erwartende Repertoire der Damen und Herren am anderen Ende der Leitung. Die Vielfalt ist groß wie überall, nahezu alle Wünsche werden erfüllt. Nicht immer ist Sex am Telefon aber ein Gespräch zwischen realen Personen, viele kommerzielle Anbieter spielen nur Aufzeichnungen erotischer Monologe ab. Je nachdem wie deutlich dies dem Anrufer vor oder zu Beginn des Gespräches gemacht wurde, ist diese Praktik durchaus für den teils schlechten Ruf der Telefonsex-Hotlines verantwortlich.
Mit einfachen Mitteln erreichen seriöse Hotline-Betreiber aber, das Anrufer echte sexuelle Kontakte herstellen können: für Frauen gibt es die gleiche Hotline meist zur kostenlosen Einwahl. So entwickelt sich ein ganz deutlich auf Sex ausgelegtes Gespräch ähnlich dem Flirt in der Bar, mit dem weiteren Unterschied, dass die Schamgrenze deutlich gesenkt ist durch die Anonymität des Gesprächs. Sex am Telefon ist aber auch für Paare eine häufig genutzte Möglichkeit, bei längerer Trennung den intimen Kontakt zu bewahren und das Risiko eines die Beziehung gefährdenden Seitensprungs zu mindern. Telefonerotik ist im Unterschied zum Telefonsex nicht immer eindeutig und ausschließlich an der sexuellen Befriedigung ausgerichtet, neckische Worte und Andeutungen erhalten einfach den Reiz zwischen Partnern und bauen eine Spannung auf, die sich dann beim realen Aufeinandertreffen entlädt.
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